Parodontologie

Parodontitis (umgangssprachlich "Parodontose") ist eine langsame, meist schmerzlose Entzündung des Zahnbettes, also des Zahnfleisches, der Fasern und des Knochens im Bereich der Zähne. Diese Krankheit, die oft lange Zeit vom Patienten unbemerkt bleibt, verläuft im Anfangsstadium meist langsam, später eher schneller. Sie kommt hauptsächlich bei Erwachsenen vor und wird durch Bakterien verursacht, die in Zahnbelag (Plaque) und Zahnstein (Konkrementen) leben und zu einer Entzündung des umliegenden Gewebes führen.

Gesundes Parodontium Gesundes Zahnfleisch ist hellrosa und blutet nicht beim sanften Zähneputzen. Kleinste Fasern verbinden den Zahn mit Zahnfleisch und Knochen. (PSI Code 0, siehe unten)

Gingivitis
Bakterieller Zahnbelag (Plaque) und Zahnstein (Konkremente) führen als erstes zu einer Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis). Es wird rot, schwillt leicht an und beginnt gelegentlich zu bluten. Dieser Zustand kann durch intensive Pflege [Link Prophy] wieder vollständig rückgängig gemacht werden. (PSI Code 1 und 2)

Parodontitis 5mm
Wenn längere Zeit nichts gegen die Entzündung unternommen wird, infiziert sich das gesamte Zahnbett. Zahnfleisch, Fasern und vor allem Knochen bilden sich zurück. Es entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich Zahnstein ablagert, der nicht mehr durch die gewöhnliche Zahnreinigung entfernt werden kann. In diesen Taschen vermehren sich Bakterien noch schneller und führen zu einer noch stärkeren Entzündung. (PSI Code 3)

Parodontitis 8mm
Wird nichts gegen die Krankheit unternommen, kommt es früher oder später zum Verlust des Zahnes. Parodontitis ist bei Erwachsenen nicht nur die Häufigste Ursache für Zahnverlust mit all seinen Konsequenzen. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass eine unbehandelte Parodontitis das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes erhöhen kann. Sogar Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht können ursächlich mit einer Parodontitis zusammenhängen. (PSI Code 4)

 

Risikofaktoren (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.)

· Raucher erkranken deutlich häufiger an einer Parodontitis als Nichtraucher.
· Der Verlauf einer Parodontitis ist bei Rauchern deutlich schwerer, es gehen häufiger Zähne verloren.
· Es gibt Parodontitisfälle, die trotz Behandlung nicht ausheilen. Bei über 90% dieser Fälle handelt es sich um Raucher.
· Stress
· Erbliche Vorbelastung (Eltern, Großeltern, Geschwister hatten "Zahnausfall von gesunden Zähnen").
· Allgemeinerkrankungen, vor allem Diabetes (Zuckerkrankheit).
· Einige Medikamente (blutdrucksenkende, gefäßerweiternde Mittel, Immunpräparate oder anfalldämpfende Antiepileptika) fördern die Wucherung von Zahnfleisch, wodurch ebenfalls Zahnfleischtaschen und nachfolgend Parodontitis entstehen kann.

Wie kann ich eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder Parodontitis erkennen?

1) Wenn Ihr Zahnfleisch anstatt blassrosa eher dunkelrot und geschwollen aussieht, oder beim Zähneputzen blutet, liegt wahrscheinlich eine Gingivitis vor.
2) Blutet Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen und das Zahnfleisch ist zurückgegangen, könnte dies an einem falschen, insbesondere zu kraftvollen Einsatz der Zahnbürste liegen.
3) Wenn Sie eines oder gar mehrere der folgenden Anzeichen bemerken, liegt der Verdacht einer Parodontitis nahe:
· Eine Flüssigkeit tritt am Zahnfleischrand aus, wenn Sie Ihr Zahnfleisch massieren.
· Zähne sind auch nur gerade so spürbar locker.
· Die Zahnstellung hat sich in der letzten Zeit verändert.
· Sie leiden immer wieder an schlechtem Geschmack im Mund oder Mundgeruch.


Gesund Gingivitis Parodontitis
Gesund Gingivitis Parodontitis

Sollten Sie bei sich den Verdacht auf eine Gingivitis hegen, können Sie durch verbesserte Mundhygiene [link auf Prophylaxe] meist Abhilfe schaffen. Sprechen Sie dies in jedem Fall bei Ihrem nächsten Zahnarzt-Kontrolltermin an! Beim Verdacht auf eine Parodontitis sollten Sie baldmöglichst einen Kontrolltermin vereinbaren. Nur der Zahnarzt kann eine Gingivitis oder Parodontitis sicher feststellen und eine geeignete Therapie vorschlagen.

Neu seit 2004 ist der Parodontale Screening Index PSI zur Früherkennung der Parodontitis:

Um das Zahnfleisch zu beurteilen wird das Gebiss in sechs Abschnitte unterteilt und die jeweils tiefste Zahnfleischtasche notiert. Danach werden die Befunde anhand der Taschen in Code 0 bis Code 4 eingeteilt und die Therapie vorgeschlagen:

Code 0 (gesund): keine Therapie notwendig, weitere präventive Betreuung

Code 1 (Gingivitis): Beläge entfernen. Instruktionen zur Verbesserung der Oralhygiene

Code 2 (Gingivitis): Zusätzlich professionelle Zahnreinigung, Verbesserung von Kronenrändern, die Beläge halten

Code 3 (mittelschwere Parodontitis): Zusätzlich weitergehende therapeutische Massnahmen, bei zwei und mehr Abschnitten mit Code 3 Diagnostik und Therapie des gesamten Gebisses

Code 4 (schwere Parodontitis): wie Code 3 bei 2 und mehr Abschnitten

Weitere Informationen finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e.V.

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